Das Gartenjahr 2010

Samstag, 20.02.2010:

…..“Vom Eise befreit sind Strom und Baeche“….

Diese Worte treffen auf die seit wenigen Tagen bestehenden Witterungsbedingungen zu: der Fruehling naht!

Seit den Tagen nach Weihnachten hatten wir einen regelrechten Bilderbuchwinter. Es lag bis zum vergangenen Wochenende eine hohe, geschlossene Schneedecke, wir hatten fast unentwegt knackige Minustemperaturen, jeden Morgen war Schneeschaufeln angesagt, das Streusalz ging nicht nur den Haeuslebesitzern aus, nein, selbst die Kommunen und zum Schluß auch einigen Autobahn-/Straßenmeistereien fehlte es am noetigen Salz, so daß tatsaechlich ein Autobahnabschnitt (von Erwitte/Anroechte bis Diemelstadt) am vergangenen Wochenende von Freitagabend bis Montagfrueh gesperrt werden mußte!

Anfang Februar taute es schon einmal, um dann aber noch einmal mit aller Kraft zu schneien, mindestens wieder 15 cm. Insgesamt hatten wir eine mindestens  20 – 25 cm hohe Schneedecke, 60 – 80 cm hohe zusammengeschobene Schneehaufen am Straßenrand, in der Einfahrt, neben dem Gehweg– und das ueber mehrere Wochen!

Fast acht Wochen richtig schoener Winter! Keine graue Tristesse, kein Regen, keine nasse Kaelte – eine blitzsauber anzusehende, helle, freundliche und eisig-schoene Natur: so stelle ich mir Winter vor - die meisten Autofahrer aber wohl nicht.

Ich bin gespannt, wie es unter dem Schnee ausschaut. Wird man schon ein wenig Gruen sehen? Wie weit werden die Krokusse, Narzissen, Osterglocken sich ans Tageslicht gewagt haben? Und dann die bange Frage: haben die Pflanzen in den Toepfen  ueberlebt? Haben die spaet im November gelieferten Rosen von Austin ihren Winterschlaf im Moertelkuebel ueberlebt?
 

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Samstag, 27.02.2010:

Obgleich es fast jeden Tag geregnet hat, mitunter auch unangenehm naßkalt war – der Fruehling kommt mit Riesenschritten!

Das Gras ist schon viel, viel gruener (oder bilde ich mir das nur ein??), gestern war es relativ mild, wechselnd wie im April: Regen, Sonne, Kaelte, blauer Himmel…..

Obwohl sehr spaet, konnte ich es doch nicht lassen und habe schon wieder ein paar Hostas bestellt! Na, kommen ja erst Ende April, bis dahin wird sich eine Pflanzplatzmoeglichkeit gefunden haben….

Fuer Gartenarbeiten ist es einfach noch zu naß. Das ist auf das kommende Wochenende verschoben worden. Ebenso das Auspacken der Toepfe.


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Samstag, 20.03.2010:

Nur langsam, seeehr langsam ist in diesem Jahr der Winter gewichen.....!

Vor drei Wochen sah es schon fast so aus, als nahe der Fruehling – aber eben nur fast. Eine Woche spaeter, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag (06.03.) fielen erneut innerhalb kuerzester Zeit 15 cm Neuschnee!! Am Samstagmorgen bot sich ein maerchenhaftes Bild! Ein Panorama, ideal fuer ein Kalenderblatt. Und der Sonntag setzte dann noch eines drauf! Strahlender Sonnenschein verzauberte eine mit reinweißem Schnee bedeckte Natur.
Ich moechte auf den Winter, und ganz besonders in dieser so typischen Form, nicht verzichten, er gehoert fuer mich einfach zum Jahreslauf dazu.

Das naechste Wochenende brachte nochmals Schneefaelle – und dann war aber der Fruehling nicht mehr aufzuhalten! Bereits am Sonntag (13.03.), als wir von einer Wochenendreise zurueckkamen, war im ganzen Garten der Schnee, der am Freitagmorgen noch den groeßten Teil des Gartens mehrere Zentimeter hoch bedeckte, geschmolzen. Und von da an ging es jeden Tag mit den Temperaturen bergauf!

Am Donnerstagabend habe ich meinen ersten Erdkontakt im Garten in diesem Jahr gehabt!
Ich habe die faulen und trockenen Blaetter von den Stauden entfernt, gleichzeitig schon die Rosen geschnitten und abgehaeufelt, teilweise Unkraut entfernt. am Freitagabend und heute nachmittag nochmals.
Am Donnerstag kam schon gleich erster Frust auf: zwei Rosen in Toepfen sehen sehr, sehr tot aus! Einige Hostas und Taglilien in Toepfen erscheinen ebenfalls sehr tot!

Fuer die Pflanzen war das jetzt der zweite, recht harte Winter. Bis dato hatten sich die Pflanzen in Toepfen problemlos ueber den Winter bringen lassen. Jetzt nach mehr als 25 Jahren sind das die ersten harten, oder besser gesagt, reale Winter gewesen. Wahrscheinlich sind die Stauden und Gehoelze an solche „reale“ Wintertemperaturen gar nicht mehr gewoehnt.
Im Freiland sieht alles ganz gut aus, bis jetzt konnte ich keinerlei Ausfaelle bemerken.
Die Adonisroeschen bluehen, erste Leberbluemchen haben einzelne Blueten geoeffnet, die Krokusse, Schneegloeckchen und auch die von Adelheid im Herbst 2008 geschenkten Maerzenbecher, die bis zum Herbst 2009 im Topf vor sich hinduempelten und dann erst einen Platz in einem Beet fanden, bluehen! Ach, ich kann mich gar nicht satt sehen an den Blueten, die jetzt jeden Tag ans Licht der Welt streben.
Und wieder bin ich ganz erfreut ueber meine Baumpaeonien. Von einigem wenigen Totholz abgesehen sind sie supergut ueber den Winter gekommen und zeigen dicke, ueppige Knospen.

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Samstag, 17.04.2010:

Heute nacht hat es erneut Minusgrade gegeben, aber der Tag war bilderbuchmaeßig warm, sonnig, fruehlingshaft! 
Der heutige Tag war der erste Tag, an dem ich im Garten so richtig etwas geschafft habe. Die letzten Rosen wurden geschnitten und die Stauden von den Resten des vergangenen Jahres gesaeubert. Wieder sehen einige Hems mehr tot als lebendig aus, scheinen aber doch auszutreiben.
Auffaellig ist,  daß offenbar die Hems von Lambertson (alles Zuechterpflanzen) die hiesigen Winter mehr oder weniger locker wegstecken, waehrend die Zuechtungen von Stamile (die schoenen blauen Augen liebe ich doch so sehr!) eher zum Niedergang in unseren Breitengraden bestimmt sind. Das ist natuerlich mehr als bedauerlich. Die einzige, die den vergangenen Winter offensichtlich voellig ignoriert hat, ist Mississippi Blues! Sie steht da wie eine Eins! 
Jetzt zeigt es sich aber, daß auch dieser Winter wieder Opfer in den Toepfen gefordert hat: vier Rosen (Gentle Hermione, Grace und Cornelia und offensichtlich auch Wildeve) sind definitiv tot!.
Das ist hoechst bedauerlich. Ghislaine de Feligonde hat den Winter im Kuebel sehr gut ueberstanden, hat allerdings auch einen geschuetzten Standort (vor der Hauswand auf der Terrasse). Ein Versuch (im kommenden Winter) waere noch, auch die anderen Kuebel mit Rosen an der Hauswand aufzustellen. Das haben wir bislang nicht gemacht, weil die Kuebel doch sehr schwer sind und nur mit einem Pflanzenroller zu bewegen. Aber auch auf diesen (Pflanzenroller) muß man den Topf ja erst einmal hinaufheben….

Was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, daß alle Stauden, die den Winter im Topf nicht ueberstanden haben, erst im letzten Fruehsommer in eben diese Kuebel gesetzt wurden. Es ist keine Pflanze, die schon seit laengerem im Kuebel sitzt, kaputtgegangen!. Es ist voellig egal, ob es sich um Stauden (Taglilien, Hostas, Alchemilla, Geranium) oder Gehoelze (Hortensie, Rosen) handelt, alle Pflanzen waren Topfneulinge.

 

Leider mußte einer der schoenen alten Rhodos (20 Jahre alt) entsorgt werden. Erato war total befallen von der Phythopthora-Welke. Beim Ausgraben fand sich auch eine Erklaerung dafuer: der Ballen war mit wenigen Spatenstichen von der Umgebung geloest – offensichtlich durch Rhododendron-Ruesselkaefer (larven) geschaedigt. Obwohl wir vor drei und vor zwei Jahren, als sich bei vielen Rhodos Fraßspuren fanden, zweimal im Jahr Nematoden ausgebracht haben, scheint es nicht allzu erfolgreich gewesen zu sein oder aber der Rhodo war einfach schon zu stark von den Übeltaetern befallen. Dann werde ich in diesem Jahr doch zu chemischen Mitteln greifen und die uebrigen Pflanzen mit Agritox bezw. Careo gießen. Marcel Menard sieht naemlich auch nicht gerade sehr gesund aus, er bekommt jedes Jahr mehr von der Welke befallene Zweige.
 

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Samstag, 15.05.2010:

Es gab nur wenige fruehlingshafte Tage seit Mitte April. Der Mai kommt bis dato mit Nachttemperaturen von +3 – 0 Grad, gelegentlich sogar -1 bis - 2 Grad daher, die Tagestemperaturen vielfach im einstelligen Bereich!  Die Arbeiten im Garten sind nur mit entsprechend warmer Kleidung zu erledigen, die Finger werden trotz der Handschuhe schnell kalt und steif.
Das wirkt sich natuerlich auch auf die Pflanzenvegetation aus, vieles blueht wesentlich langsamer auf als bei entsprechend hoeheren Temperaturen. Positiv ist das bei der Rhododendronbluete zu sehen: die Bluetezeit wird sich dadurch sicherlich wesentlich verlaengern. Von den vielen Sorten in unserem Garten sind bislang nur relativ wenige Bluetenbaelle voll erblueht. In diesem Jahr konnte ich meiner Tochter zu ihrem Geburtstag am 13.05. keinen Strauß Rhododendren schneiden, es bluehen einfach zu wenige in ausreichender Menge!

Allerdings lassen sich viele Pflanzen trotz der Kaelte in ihrem Wachstum nicht hindern, sie haben sich waehrend der letzten zwei Wochen enorm entwickelt. Es sind dies die Taglilien und die Rosen. Bei den Hostas zieren sich immer noch einige. Hatte ich vor mehr als zwei Wochen bei den Taglilien noch das Gefuehl, daß die Pflanzen extrem unter dem zweiten harten Winter gelitten haben, so muß ich diesen Eindruck jetzt revidieren: bis auf wenige Ausnahmen treiben alle gut und kraeftig aus. Bei einigen sind sogar schon Bluetenstengel zu sehen!

Besondere Freude bereiten mir einige Rosen. Es sind dies Aennchen von Tharau, Uetersener Klosterrose, Leopold Ritter, Rosarium Uetersen, Mme. Ernest Calvat, Alchymist, Sidonie und Ghislaine de Feligonde. Ihnen ist der strenge Winter in keinster Weise anzumerken, sie treiben um die Wette. Einige andere haben doch ganz erheblich gelitten (Happy Child z. B., Herkules (macht seinem Namen absolut keine Ehre!), Paul Noel (scheint auch eher eine Memme zu sein als ein „ganzer Kerl“), Louis XIV (muß seine Maennlichkeit ebenfalls erst noch unter Beweis stellen!). Die Englaenderinnen (Austin-Rosen) haben diesen Winter besser weggesteckt als den 2008/2009er. Na ja, sind auch (meistens) Frauen (!), die sind nicht so zimperlich bzw. passen sich sehr schnell veraenderten Bedingungen an……

Ein weiterer erfreulicher Aspekt ist die Tatsache, daß die Verbesserung der Pflanzplaetze mit Estrichsand bei einigen Iris wahre Wunder gewirkt hat: nachdem ich im August l. J. bei ca. 15 Iris-Standorten die Erde großzuegig mit Estrichsand vermischt habe und anschließend die geteilten Rhizome wieder eingepflanzt habe, sind die Iris beinahe explodiert. Sie haben sich ungemein gekraeftigt vermehrt und jede Menge Bluetenstengel produziert! Ich werde also im August d. J. weitere Iris-Standorte entsprechend verbessern!